IMV-MFV-KONVERTER

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Friedrich Reiner
1881-2012
Telefonfabrik

Der Nachfolger des W48 -  der kunterbunte 611er

Der Fernsprechtischapparat 61(1) löste seit 1963 den Tischfernsprecher W48 immer mehr ab. Er war eine völlige Neukonstruktion – kompakter, handlicher und leichter. Kein Bauteil stammte von früheren Apparaten. Aber er besaß optisch ein Vorbild: Das Ende der 1950er-Jahre von der Firma SEL (Standard Elektrik Lorenz) konstruierte Modell „Assistent“, das rein für Nebenstellen entwickelt worden war und sich aufgrund der Bruchempfindlichkeit der ersten Kunststoffe nicht durchsetzen konnte.


Maßgeblich an der Konstruktion des FeTAp 61 beteiligt waren die Firmen Siemens, SEL und Richard Bosse & Co. Alle Gehäuseteile und der Handapparat bestanden aus hochschlagfestem, thermoplastischem ABS-Kunststoff, nicht mehr aus dem zwar harten, aber spröden und bruchempfindlichen Bakelit wie sein Vorgänger. Die Fingerlochscheibe wurde aus transparentem Kunststoff gefertigt. Anfangs wurde die Lochscheibe des SEL Assistent mit kleiner Papiereinlage übernommen, doch schon in den 60er Jahren wurde eine neue Fingerlochscheibe mit größerem Papierschild und verbesserter Bruchfestigkeit aus dem Kunststoff Styrol-Acrylnitril hergestellt. Der Nummernschalter (Typ NrS 61 - eine Weiterentwicklung des NrS 38) war mit einer Staubschutzkappe für die Mechanik ausgerüstet und zur Dämpfung der Wählgeräusche gummigelagert montiert. Alle elektrischen Bauteile wurden als „gedruckte Schaltung“ auf eine geätzte Pertinax-Platine gelötet. Der Wecker - er nannte sich "Einschalenwecker 61" - hatte nur noch eine Glocke ("Weckerschale"), seine Lautstärke war mit einem Drehknopf auf der Geräteunterseite einstellbar. Schaltungstechnisch unterscheidet er sich vom W48 nur geringfügig. Die Rückhördämpfung wurde verbessert.


Typen der ersten Baureihe (bis ca. 1968) hatten die Bezeichnung FeTAp 611–1, danach folgte die in kleineren Details modifizierte Reihe FeTAp 611–2 (Bei anderen Ausstattungsmerkmalen lauteten die Bezeichnungen entsprechend 612-1 und 612-2 usw.). Das Kabelfach erhielt beim 611-2 nun eine Lasche zur Aufnahme eines Zweithörer-Ständers (in der Praxis wurde dieses Detail fast nie genutzt), außerdem wurden die Bodenplatte und die Pertinaxplatine geringfügig verändert (die 611-2-Platine passt nicht in den 611-1).


Zunächst wurde der FeTAp 61 nur in „kieselgrau“ (daher kommt der Spitzname Graue Maus) produziert. 1970 startete die Deutsche Bundespost eine Umfrage über farbige Telefone. Aus 13 unterschiedlichen Farben und Farbtönungen wurden vier Apparate ausgewählt. 1972 führte man schließlich zusätzlich zu der kieselgrauen Version die Farben ockergelb, lachsrot, hellrotorange und farngrün ein (die Farbe lachsrot wurde jedoch bald aufgrund geringer Nachfrage wieder ersatzlos aus dem Angebot genommen). Die Anschlußkabel wurden bei diesen farbigen Modellen - vor allem auch aus wirtschaftlichen Gründen - in schwarz gehalten, nur der kieselgraue Apparat behielt im Originalzustand seine grauen Kabel (wenngleich es heute viele mit schwarzen Kabeln umgebaute graue Geräte gibt). - In kleinen Stückzahlen wurden auch Sonderfarben hergestellt, z. B. dunkelrot (mit schwarzen Applikationen), schwarz und hellgelb. Diese wurden jedoch unabhängig von der Bundespost für Firmen und Institutionen in kleinsten Auflagen gefertigt, weshalb solche Exemplare heute extrem wertvoll sind. Gleiches gilt für das transparente 61-2-Modell, das eigens zu Ausstellungszwecken entworfen wurde. Bei den Apparaten von der Deutschen Bundespost waren die Schrauben zum Öffnen der Bodenplatte mit kleinen Kunststoffstopfen (den sog. Siegelscheiben) verplombt, um unzulässige Eingriffe von Seiten des Teilnehmers zu verhindern. Damals wurden die Endgeräte nicht wie heute vom Teilnehmer selbst gekauft, sondern waren vermietetes Eigentum der DBP.


Der FeTAp 61 wurde von allen bekannten westdeutschen Telefonherstellern für die Deutsche Bundespost und auch für eigene private Telefonanlagen (als "Büroapparate") in einer Gesamtzahl von über 20 Millionen Stück gefertigt. In der Bundesrepublik Deutschland ging der Wandel des Telefons von einem Luxusobjekt zu einem selbstverständlichen Gebrauchsgegenstand mit ihm einher. Hatten im Jahre 1963 gerade mal 19 % der bundesdeutschen Haushalte einen Hauptanschluß, so waren es 88 % als 1984 die Produktion des FeTAp 61 eingestellt wurde. Bereits 1970 verfügten 50 % aller bundesdeutschen Teilnehmer über das neue 61er-Modell. Von der DBP aufgearbeitete Apparate wurden noch bis 1988 bei den Teilnehmern angeschlossen.


Unter den vielen Sonderbauformen des FeTAp 61 (insgesamt über 250) war auch eine Ausführung als Wandapparat mit der Typbezeichnung FeWAp 61 (1967 eingeführt, er löste den reinen Wandapparat W48 und den umbaubaren Tisch-/Wandapparat W49 "TiWa" ab), außerdem mit dem FeTAp 611 GbAnz eine Ausführung mit eingebautem Gebührenanzeiger. Der Typ FeTAp 616D war das erste Modell mit einer Datentaste.


Apparate dieses Typs werden mittlerweile immer seltener (insbesondere natürlich die in geringeren Stückzahlen gebaute Version in lachsrot). Viele Exemplare fanden ihr Ende im Schrottcontainer. Sie sind mittlerweile auf dem Weg zum Kultstatus – ein Abschnitt von über 20 Jahren westdeutscher Telefongeschichte. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und werden sogar wieder in Betrieb genommen.



Quelle: wikipedia